Würdigung des künstlerischen Werkes


DR. FRITZ FALK

Ehemaliger Direktor des Schmuckmuseums Pforzheim, Konsultant des Russischen Museums für Ethnographie Sankt Petersburg

Es ist ein Satz, der im Jahre 1984 formuliert wurde, für den Katalog der Ausstellung „Friedrich Becker – Goldschmied“ des Kunstvereins für das Rheinland und Westfalen in der Kunsthalle Düsseldorf:

„Friedrich Becker verdient es wie kaum ein anderer Goldschmied unserer Zeit, in die Geschichte der Goldschmiedekunst einzugehen.“

Dieser meiner Aussage ist – mehr als ein Vierteljahrhundert später und in einem neuen Jahrtausend – nichts hinzuzufügen: Friedrich Becker bleibt in steter Erinnerung als einer der bedeutendsten Schmuckmacher und Designer der Moderne.

Und mehr noch: Dass Hilde Becker das Andenken an ihren Mann zusammen mit der Gesellschaft für Goldschmiedekunst durch die Stiftung des „Friedrich Becker Preises“ in besonderer Weise pflegt, ist äußerst wertvoll, bemerkenswert und dem Künstler in höchstem Maße angemessen.

PROF. FLORIAN HUFNAGL
Direktor »Die Neue Sammlung – The International Design Museum Munich«

Friedrich Becker – ein singulärer Künstler im Bereich Schmuck und Metallgestaltung. Und so ist auch der Preis, der seinen Namen trägt, einzigartig.

Die Konzeption ist international und Disziplinen übergreifend, wie der ganzheitliche Ansatz von Friedrich Becker. Der Wettbewerb beschränkt sich nicht auf Gold- und Silberschmiede, sondern wendet sich generell an Schmuck- und Metallgestalter, auch an Designer. Und in der Jury – die von Mal zu Mal neu besetzt wird – sitzen nicht nur Leute vom Fach, sondern auch Persönlichkeiten außerhalb dieser Professionen.

So bewirkt der Preis dank der großzügigen Stiftung von Hildegard Becker weit mehr als die Erinnerung an einen international herausragenden Gestalter – er weist mit seiner offenen, grenzüberschreitenden Konzeption in die Zukunft.

DR. RÜDIGER JOPPIEN
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Der Name Friedrich Becker steht für die Avantgarde der internationalen Schmuckkunst des 20. Jahrhundert und ist auf der ganzen Welt bekannt. Mit seinen Schöpfungen kinetischer Schmuckkunst hat er Geschichte geschrieben.

Becker war ein lebenslanger Homo ludens, ein Künstler, der sein Material so vollendet beherrschte, dass er damit im wahrsten Sinne des Wortes damit spielen konnte. Er hat die Schmuckkunst, aber auch die Metallkunst und Bildhauerei, mit wunderbaren Einfällen bereichert. Er war unerbittlich in seinem Streben nach Präzision, doch seine Werke strahlten Leichtigkeit und Lebensfreude aus, wie nur große Künstler sie zu schenken wissen. Friedrich Becker war für viele junge Schmuckkünstler ein Vorbild und wird es immer bleiben.

KLAUS JÜRGEN MAACK
ERCO GmbH Lüdenscheid

Die Kunstszene der fünfziger und sechziger Jahre in Düsseldorf war ein großer Katalysator für Friedrich Becker, seine Goldschmiedekunst auf eine neue, so noch nicht erprobte Ebene zu führen. Es war die Zeit in der in Ulm, an der Hochschule für Gestaltung, über die Moral der Gegenstände diskutiert wurde. Mit konkreter Kunst, oder noch strenger, mit der Gruppe Zero, suchte man nach Richtungen, die aus der Katastrophe des Dritten Reiches zu Neuem führen konnte. Für Friedrich Becker eine Ermutigung, seine Vorstellung von neuem Schmuck umzusetzen. Sein technisches Wissen und Können war Grundlage für eine Ästhetik der Einfachheit, die bis heute standhält. Es lohnt seine Halterung der Steine ohne Fassung genauer zu betrachten, um zu erkennen, was technisches Wissen bei der künstlerischen Umsetzung eines Gestaltungskonzeptes bedeutet. Seine Arbeiten für die Kirche sind ein Komplex eigener Qualität. Monstranzen, Tabernakel, kreuze und Kelche sind die Eckpunkte dieses Schaffens.

Beweglicher Schmuck, also die Kinetik als Ausdrucksform, gehört zu den innovativen und faszinierenden Entwicklungen seines Ateliers. Er war ein großer Erneuerer des Goldschmiedehandwerks, ein Innovator, ein Gestalter, ein Künstler und ein liebenswerter Verführer seiner Kunden bei der Erklärung seiner Denkansätze.

Es ist gut, dass es einen Preis gibt, der seinen Namen trägt. Solch ein Preis sollte dem Nachwuchs Mut machen, das Risiko modern zu denken einzugehen.